Schatzstücke

Domschatz - zum Lesen

Schaut man sich in einer kirchlichen Schatzkammer um, entdeckt man Kästchen und andere Gefäße, sowie Bücher, Kreuze und andere Gegenstände. Meist sind sie reich verziert und funkeln prächtig in ihren Vitrinen.

Denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein.


Mit dem Begriff „Schatz“ verbinden sich unterschiedliche Dinge. Wird dabei an Gegenstände gedacht, dann kommen da schnell goldene Kerzenleuchter, Ringe, Schmuck, Münzen und dergleichen in den Sinn. 

In einer kirchlichen Schatzkammer findet man allerdings noch andere Sachen. Schaut man sich im Raum um, entdeckt man Kästchen und andere Gefäße, sowie Bücher, Kreuze und andere Gegenstände. Meist sind sie reich verziert und funkeln prächtig in ihren Vitrinen.

 

 

Die eigentlichen Schätze in einem Domschatz wie diesem hier in Quedlinburg sind zumeist unsichtbar in den verschiedenen Gefäßen untergebracht. In einer kirchlichen Schatzkammer finden wir Gefäße, die Reliquien beinhalten oder beinhaltet haben. Reliquien sind die Überreste von Heiligen. Das können direkte körperliche Überreste sein, wie Knochen, Haare, Zähne. Es können aber auch Gegenstände sein, die direkt mit der als Heilig angesehenen Person in Verbindung stehen, zum Beispiel Ringe, Teile von Kleidung oder Ausstattung oder auch Gegenstände, die der Person zugesprochen werden. Man unterscheidet also grob Körperreliquien (Teile des Körpers) und Berührungsreliquien (Gegenstände, welche die Heilige Person berührten). 

Der Gedanke dahinter ist, dass in Heiligen Personen die Wirkkraft Gottes aktiv war und sich das in ihren körperlichen Überresten auch nach dem Tode erhält. Berührt man also eine solche Reliquie, berührt man auch die Wirkkraft Gottes. Dies stellte einen Ansporn für viele Menschen dar, sich auf Pilgerreise zu begeben um an den Ort der Reliquie oder der Wirkung des Heiligen zu gelangen. 

Reliquien sind ein Aspekt von kirchlichen Schätzen, die zu den Sammlungen in den heutigen Schatzkammern führen, denn diese Reliquien wurden angemessen verpackt. Der Gedanke dahinter ist es, dass kaum etwas gut genug sein kann um das Heilige zu verpacken. So wurden besondere Stoffe herangeholt, manchmal sogar Seide aus dem Fernen Osten, um die Reliquien darin einzuhüllen. Diese Stoffpäckchen wurden dann aufwändig in größere Gefäße gefüllt. Manchmal um sie direkt zu zeigen und manchmal um sie darin zu verbergen. Der Reliquienkasten oder auch Schrein diente dann der Aufbewahrung, dem Transport und der Präsentation der Reliquien. Diese Kästen wurden zu hohen Feiertagen auch auf dem Altar präsentiert und bei Prozessionen durch die Stadt getragen. Eine Reliquie selbst wäre viel zu klein um dabei gesehen zu werden – insofern diente ein prächtiges Gefäß zur Präsentation. Gleichzeitig muss immer daran gedacht werden, dass die Verpackung dem Inhalt angemessen sein muss – wie ein Geschenk, das man einer lieben Person schenken möchte, ordentlich verpackt wird, weil es die Geste des Schenkens unterstützt. Das zeugt von Hingabe.

Eine solche Form von Hingabe und Präsentation finden wir auch in den prächtigen Büchern des Domschatzes. Ein Evangeliar enthält Sammlungen der Evangeliumstexte. Evangelium heißt Botschaft. Die christliche Botschaft und damit die christliche Wahrheit ist in diesen Büchern enthalten. Durch den Aufwand in der Fertigung dieser Bücher wurde die Wichtigkeit dieser Texte noch einmal unterstrichen, durch die prächtigen Buchdeckel kam der Gedanke der besseren Präsentation von Text und Buchbesitzer noch hinzu. 

Die Texte wurden Buchstabe für Buchstabe vorsichtig gemalt, manchmal in goldener Tinte, das Schreibmaterial war Pergament, also Tierhaut, dazu kamen oft aufwändige Ausmalungen. All dies zeigt auch eine Ehrerbietung an den Inhalt. Vergleichbar ist das mit einem Liebesbrief, bei dem nicht nur die Botschaft wichtig ist, sondern auch die Art und Weise der Übermittlung an den Empfänger.

Der Quedlinburger Domschatz wurde weltberühmt aber nicht nur durch seine besondere Kostbarkeit sondern auch durch eine Geschichte von Raub und Wiederkehr.
Im zweiten Weltkrieg wurde der Domschatz aus der Kirche ausgelagert und letztlich in eine Höhle in der Nähe des Stadtrands von Quedlinburg verbracht. Am Ort seiner Aufbewahrung wurde er von zwei Wachleuten bewacht, die ihn dann in die Obhut der ersten alliierten Truppen gaben, die Quedlinburg erreichten – die US Armee. Ein Offizier, der die Stücke katalogisieren sollte, schickte zwölf der Quedlinburger Schatzstücke per Feldpost in seine Heimat Texas. 
Nach Jahrzehnten verstarb der Offizier Anfang der 1980er Jahre und vererbte die Stücke. Die Erben versuchten, die Stücke zu verkaufen. Im Jahr 1989 tauchte das Samuhel-Evangeliar im Kunsthandel auf, ein Verkauf fand allerdings nicht statt. Es dauerte noch mehrere Jahre an Verhandlungen und Suche bis der Schatz Ende 1993 wieder nach Quedlinburg zurückkehren konnte. Zwei Stücke fehlen seitdem immer noch.
 

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